Bert Kondruss, KonBriefing Research
Wir dokumentieren bekannt gewordene KI-Zwischenfälle im Jahr 2025. Die aufgeführten Fälle reichen von technischem Fehlverhalten über unglücklichen oder unsachgemäßen Einsatz von KI bis hin zu Reputationsschäden, finanziellen Verlusten oder Pannen, die Zweifel an der Kompetenz im Umgang mit künstlicher Intelligenz geweckt haben.
Technologisches Kriterium ist die Nutzung künstlicher Intelligenz im engeren und im weiteren Sinne.
  • KI-Technologie im engeren Sinne: Systeme, deren Kernfunktion auf datengetriebenem Lernen basiert und deren Verhalten nicht vollständig explizit vordefiniert ist. Beispiele: Maschinelles Lernen (ML), Generative KI (GenAI), Foundation Models
  • KI-Technologie im erweiterten Sinne: Systeme, die adaptiv, lernfähig oder sich hochgradig autonom verhalten. Beispiele: Algorithmische Systeme mit Lernkomponente, Adaptive Entscheidungs- und Optimierungssysteme, Autonome & teilautonome Systeme, Hybride Systeme (Regel + KI), Statistik- & Prognosesysteme mit Selbstanpassung
Diese Zusammenstellung bietet eine kuratierte Auswahl von Vorfällen. Gerade bei der Nutzung generativer KI / GenAI in Gerichtsverfahren weltweit sind zahlreiche weitere Fälle bekannt geworden, die hier (noch) nicht gelistet sind.

Liste der KI-Zwischenfälle in Neuseeland

Flagge Neuseeland22. Dezember 2025
Nichtexistierende Kinderbuchempfehlungen in Neuseeland
NZME - Neuseeland / Aotearoa
Ein neuseeländisches Medienunternehmen veröffentlichte in regionalen Zeitungen eine Weihnachtsbuchliste für Kinder, die mehrere Buchtitel enthielt, die nicht existierten. Autoren waren mit Büchern genannt, die sie nicht geschrieben hatten. Es wurde spekuliert, ob die falschen Titel mit künstlicher Intelligenz erzeugt sein könnten. Das Medienunternehmen gab an, dass die Liste von einer externen Quelle bezogen wurde. Es zog die Liste zurück und entschuldigte sich für den Fehler.
https://www.1news.co.nz/2025/12/27/nzme-...
Flagge NeuseelandNovember 2025
Ausschluss bei Neuseelands wichtigstem Literaturpreis wegen KI-Cover
Ockham New Zealand Book Awards - Neuseeland / Aotearoa
Beim wichtigsten Literaturpreis Neuseelands, den Ockham New Zealand Book Awards, wurden zwei Bücher bekannter neuseeländischer Autorinnen ausgeschlossen, weil ihre Buchcover mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Grund dafür ist eine neue Regel, die jeglichen Einsatz von KI im gesamten Buchprojekt verbietet, einschließlich Covergestaltung. Der Ausschluss erfolgte unabhängig vom literarischen Inhalt, der vollständig von Menschen verfasst wurde. Die Entscheidung wurde kritisiert, weil Autoren meist keinen Einfluss auf das Cover haben und die Regel erst nach Einreichung der Bücher eingeführt wurde. Nach dieser öffentlichen Kritik und nach weiteren Gesprächen entschieden die Veranstalter schließlich, die betroffenen Titel zum Wettbewerb 2026 zuzulassen.
https://www.rnz.co.nz/life/books/top-wri...
https://www.nzbookawards.nz/new-zealand-...
Flagge Neuseeland15. August 2025
Simulierte Gerichtsverhandlung mit KI-Beweismitteln
Auckland High Court, New Zealand Police - Auckland, Neuseeland
In einer simulierten Gerichtsverhandlung in Neuseeland wurde untersucht, wie künstliche Intelligenz als Grundlage für strafrechtliche Beweise funktionieren könnte. Es waren ein reales Gericht und reale Anwälte beteiligt. Die fiktive Anklage basierte auf KI-Analyse von Online-Daten, die Verteidigung kritisierte dabei die undurchsichtige 'Black Box'-Technologie und das Fehlen wissenschaftlicher Überprüfung. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass Polizei und Justiz moderne Technologien nutzen müssten. Jedoch zeigten sowohl der Richter als auch das Publikum deutliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der KI-basierten Analyse. Letztlich hinterließ der Prozess mehr Fragen über die Verwertbarkeit von KI-Beweismitteln als Antworten.
https://lawnews.nz/courts/mock-trial-usi...
Aufzeichnung
https://www.youtube.com/live/0ofLQSC85hU
Flagge Neuseeland17. März 2025
Mutmaßlich KI-generierte Zitate vor dem neuseeländischen Employment Court
Employment Court of New Zealand / Te Kōti Take Mahi o Aotearoa - Auckland, Neuseeland
Das neuseeländische Employment Court, ein höheres Arbeitsgericht, behandelte eine prozessuale Anfrage einer Klägerin zur Verlängerung einer Zahlungsfrist sowie zur Zulassung weiterer Unterlagen. Dabei wies das Gericht darauf hin, dass eine von der Klägerin zitierte frühere Gerichtsentscheidung nicht existierte. Es stellte klar, dass dies offenbar auf die unkritische Nutzung generativer KI zurückzuführen war, und mahnte, KI-generierte Inhalte vor der Verwendung in Gerichtsverfahren sorgfältig zu überprüfen.
https://www.employmentcourt.govt.nz/asse...
Flagge NeuseelandFebruar 2025
KI verletzt gerichtliche Namensuntersrückung
Google - Neuseeland / Aotearoa
Die KI von Google hat in Neuseeland wiederholt die gerichtliche Unterdrückung von Namen verletzt. In Such- und KI-Antwortfunktionen wurden die Namen von Personen genannt, für die ein Identitätsverbot galt.
https://www.rnz.co.nz/news/national/5420...
Flagge Neuseeland21. November 2024
Fiktive Urteile vor einem Berufungsgericht
Court of Appeal of New Zealand / Te Kōti Pīra o Aotearoa - Wellington, Neuseeland
Das neuseeländische Berufungsgericht behandelte einen komplexen internationalen Zivilstreit über Betrugsvorwürfe sowie die Anerkennung und Durchsetzung ausländischer Gerichtsurteile. Dabei reichte der sich selbst vertretende Kläger Schriftsätze ein, die offenbar mit KI erstellt wurden und die auf fiktive Gerichtsentscheidungen zitierten. Das Gericht betonte, dass auch beim Einsatz von KI die Pflicht zu einer sorgfältigen rechtlichen Prüfung fortbesteht und fehlerhafte KI-Inhalte die Glaubwürdigkeit der Partei erheblich beeinträchtigen können.
https://www.justice.govt.nz/jdo_document...
Flagge Neuseeland2. April 2024
Fehlerhafte Gesichtserkennung im Supermarkt sorgt für Diskriminierungsvorwurf
New World / Foodstuff - Neuseeland / Aotearoa
In einem Supermarkt wurde eine Māori-Frau fälschlicherweise des Geschäfts verwiesen, sie fühlte sich deshalb diskriminiert. Die Supermarktkette testete in 25 Geschäften ein Gesichtserkennungssystem, um Personen zu identifizieren, die nach vorherigen Diebstählen mit einem Hausverbot belegt sind. Der Supermarkt entschuldigte sich für den Fehler und kündigte an, den Vorfall der Datenschutzbehörde zu melden.
Flagge USA15. März 2019
KI von Facebook erkennt nicht das Video eines Terroranschlags
Facebook - USA
Bei einem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland mit 51 Toten übertrug der Täter seine Tat per Livestream auf Facebook. Facebook gab später an, KI zu nutzen, um gewalttätige Videos zu erkennen, jedoch schlug die KI in diesem Fall nicht an. Es sei schwierig, die KI zu trainieren, weil es zum Glück an Trainingsdaten mangelt. Außerdem sei es schwierig, echte Vorfälle von Videospielen zu unterscheiden. Deshalb bleiben auch künftig Menschen wichtig, die solche Vorfälle melden und Menschen, die sie sichten.
https://about.fb.com/news/2019/03/techni...

Über KonBriefing Research

KonBriefing Research ist ein unabhängiger Researcher und Analyst, spezialisiert auf Software im Bereich Informationssicherheit, Risikomanagement und Compliance. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet hat seinen Sitz in Deutschland.
Zu den Schwerpunkten gehört die Marktanalyse zu Tools für Informationssicherheitsmanagementsysteme (ISMS Tools) nach ISO 27001 und IT Grundschutz.

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Bert Kondruss
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Bert Kondruss
Gründer und Geschäftsführer von KonBriefing Research,
einem Analystenunternehmen für GRC-Software
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